Wenn Dieter Baumann laufend erzählt - und manchmal schweigt

Mit seinem neuen Programm "Dieter Baumann läuft halt. (weil singen kann er nicht)" hat 5.000 m-Olympiasieger und Lauflegende Dieter Baumann kürzlich die Zuschauer im ausverkauften Palais Hopp in Kassel begeistert. Seine neue Bühnenshow auf dem Laufband ist etwas besonderes. 
(Bericht dazu unten).

Und weil's so schön war in Kassel - dort wo seine Bühnenkarriere einst begann - kommt Dieter Baumann am Donnerstag, 22. November, 20 Uhr, noch einmal ins Palais Hopp an die Goethestraße. Fans sollten sich schnellsmöglich Tickets sichern, denn die Nachfrage für den zweiten Auftritt ist ebenfalls groß. Zum Palais Hopp.

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Dieter Baumann begeisterte das Publikum im Palais Hopp mit seinem neuen Programm.
Fotos: Michael Bald


Leise Begleitmusik läuft. Auf dem Laufband läuft Dieter Baumann. Man sieht die Schweißperlen von seinem Gesicht tropfen, die Schritte sind zäher geworden. Man hört ihn keuchen und atmen. Sonst nichts. Minutenlang bleibt die Szene so, man schaut dem 5.000 m-Olympiasieger von 1992 zu. Und wartet. Dann urplötzlich bleibt er stehen wie einst Forrest Gump. Das Kilometerschild neben dem Laufband zeigt Ziel. Baumann hebt die Arme. Doch es dauert noch eine kleine Weile, bis sich die Stille auflöst und das Publikum im ausverkauften Palais Hopp in Kassel in Jubel ausbricht. Es war eine beeindruckende Szene, in die sich jeder im Publikum, der irgendwann mal irgendwelche Strecken, ob kurz oder lang, gelaufen ist, hineinversetzt fühlte. Diese verdammten qualvollen letzten Meter...

Dieter Baumann hatte seinen 100 km-Lauf in Biel, dieses damals medienprächtig inszenierte Blog- und Laufduell mit Runners World-Chefredakteur Martin Grüning, zuvor auf dem Laufband nachgespielt, nacherzählt, nachgelaufen. Fast Kilometer für Kilometer brachte er dem Publikum Läufertypen, Läuferstile und Läuferleiden in seinem typischen feinen Humor näher. Dazwischen tanzte er, was das Zeug hielt, machte auf dem Laufband Kunststücke und Tempo, wie es andere auf "normalen" Straßen oder Bahnen nicht hinbekommen. Und als Höhepunkt natürlich sprintete er einmal mehr zum Olympiasieg, angetrieben von Gerd Rubenbauers legendärem Kommentar. Das auf dem Laufband hinzulegen entlockte selbst einem so schnellen Läufer wie dem Deutschen Halbmarathon-Vizemeister Jens Nerkamp großen Respekt.

Doch Baumann lieferte auch die starken, ruhigen Elemente der Show. Passagen aus dem großartigen Buch "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" von Alan Silletoe stimmten nachdenklich, auch wenn  einem vieles selbst aus dem eigenen Läuferleben bekannt vorkommt, diese Stimmungen, diese Gefühle, diese (vermeintliche) Freiheit. Baumann selbst hat eine besondere Beziehung zur Story im Buch, seit Jahren läuft er mit Gefängnisinsassen in ganz Deutschland. 

Es ist etwas besonderes, dieses neue Programm "Baumann läuft halt. (weil singen kann er nicht)" des Tübingers, vor allem weil es nahezu durchgängig im Laufen auf dem eigens dafür kreierten Laufband stattfindet. Dass er dann doch ein bisschen singt und E-Orgel spielt, muss einfach sein, der "Goldmedaillen-Reggae" von Sebastian Krämer erfährt so seine ganz ureigene Interpretation.

Mit seinem gefeierten Auftritt im Palais Hopp schließt sich für den "weißen Kenianer" auch ein Kreis. Hier, im ehemaligen Starclub, begann nach seiner Läuferkarriere die Künstlerkarriere, hier stand er mit seinem ersten Programm zur Weltpremiere auf der Bühne und hat deshalb und durch seine lange Freundschaft zu Trainer und Marathon-Veranstalter Winfried Aufenanger eine ganz besondere Beziehung zu Kassel.

(Lesen Sie auch das Interview von HNA-Redakteur Matthias Lohr mit Dieter Baumann hier)

 

 


MIT FREU(N)DEN LAUFEN: SCHÖNE LESUNG MIT MATTHIAS POLITYCKI

Bestseller-Autor Matthias Politycki (Mitte), hier mit Marathon-Pfarrer Dirk Stoll und Marathon-Chef Winfried Aufenanger beeindruckte in der Evangelischen Kirche Rothenditmold.
Fotos: Michael Bald


Im Rahmen des Kulturprogramms des EAM Kassel Marathon las der bekannte deutsche Schriftsteller und Essayist Matthias Politycki (Mitte, mit Gastgeber und Marathon-Pfarrer Dirk Stoll, links, und Marathon-Veranstalter Winfried Aufenanger) in der Evangelischen Kirche Rothenditmold aus seinem Bestseller "42,195 km - Warum wir laufen und was wir dabei denken". Es war nicht der erste Auftritt des Erfolgsautors in einer Kirche, aber sicher ein ganz ungewöhnlicher.

Was, fragt Matthias Politycki in seinem Buch, treibt uns an zu laufen? Antworten gab er den Zuhörern. Es gebe kaum schöneres im Leben, verriet er, als mit Freunden zu laufen und dabei über das große Ganze zu reden. Oder nach einem Lauf in einen Apfel zu beißen. Und zuvor den Sound von 80.000 Laufschufen zu spüren. Jeder Lauf, erzählt Matthias Politycki, ist eine Reise. Wenn man irgendwo (r)einläuft, brennt sich auch der Eindruck fest ein. Laufen und Reisen, das gehört für ihn fest zusammen, so hat er seine vielen Marathons in der ganzen Welt absolviert, so sieht er fremde Städte und Länder. Eine Stadt zu erlaufen, außerhalb eines offiziellen Marathons,  ist für den renommierten Literaten immer wieder etwas ganz Besonderes. Kein Wunder, dass sein ebenso wunderbares Buch "Schrecklich schön und weit und wild - Warum wir reisen und was wir dabei denken" viele Parallelen aufweist. 

Laufen sei aber auch manchmal Unglück auf dem Weg zum großen Glück - man braucht oft viele neu Anreize, man muss sich den eigenen Qualen und Herausforderungen stellen, ehe man schließlich das Ziel erreicht. 

Der leidenschaftliche (Hobby-)Läufer sprach damit und mit den Passagen aus seinem Buch den Zuhörern aus der Seele, die die technischen Tonstörungen ebenso gelassen nahmen wie der Gast.

Mit Gastgeber und Marathon-Pfarrer Dirk Stoll plauderte Matthias Politycki zwischendurch über Gott und die Welt und die Gedanken, die einen beim Laufen umgeben.

"Ein faszinierender Abend", befand denn auch Marathon-Veranstalter Winfried Aufenanger, der später im kleinen Kreis mit dem Autor noch viele Geschichten und Anekdoten aus den weltweiten Erfahrungen und Erlebnissen austauschte, die beide auf ihren Marathon-Reisen gemacht haben.

Mehr zu Matthias Politycki und seinem umfassenden Werk hier.

(Lesen Sie auch das Interview von HNA-Redakteur Matthias Lohr mit Matthias Politycki hier)